Das Dritte Land

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Katalog – Das Dritte Land zwischen Poetik und Politik

Das Dritte Land zwischen Poetik und Politik

Anlässlich der zweijährigen Präsenz des Künstlergartens „Das Dritte Land“ der koreanischen Künstler Kim Seung Hwoe und Han Seok Hyun auf dem Berliner Kulturforum sowie dessen Umzugs auf den Petersberg in Erfurt auf Initiative der Kunsthalle Erfurt erschien der Katalog „Das Dritte Land zwischen Poetik und Politik“.

Die Publikation dokumentiert das Entstehen dieses Gartens – der als Kunstwerk eine Bedeutung entfaltet, die von der geschichtlichen Dynamik der Überwindung von Grenzen handelt – sowie seine bisherige Entwicklung in Berlin. Dazu beleuchten Wissenschaftler:innen in verschiedenen Texten „Das Dritte Land“ aus kunsthistorischen, transkulturellen, politischen sowie ästhetischen Perspektiven. Der Garten verändert zwar durch die Jahreszeiten sein Bild, bleibt aber als Kunstwerk im öffentlichen Raum immer ein Forum der Begegnungen und Refugium mitten in der Stadt.

Die Publikation ist über den Webshop des Erfurter Kunstvereins erhältlich, sowie im Angermuseum Erfurt und der Kunsthalle Erfurt.

Eröffnung „Das Dritte Land“ am 3. Oktober 2022 im Kunstmuseum Erfurt, Deutschland

Das Dritte Land, der Künstlergarten von Han Seok Hyun und Kim Seung Hwoe, ist auf Initiative der Kunstmuseen Erfurt und des Erfurter Kunstvereins vom Berliner Kulturforum auf den Erfurter Petersberg (unterhalb der Martinsbastion der Zitadelle Petersberg) umgezogen. Aus der Entfernung sieht der Garten wie eine Berglandschaft aus. Das Zusammenspiel des morgens und abends vom Boden aufsteigenden Nebels mit den aus Basalt geformten Bergen erinnert an die pittoreske Perspektive der koreanischen Landschaftsmalerei aus der Joseon-Zeit. Seit April 2022 wachsen in diesem Garten 35 unterschiedlichen Arten von Wildpflanzen aus Nord- und Südkorea. Die Steinsetzungen zitieren das Baekdudaegan-Gebirge, dessen Bergkette sich vom Norden in den Süden Koreas zieht. Es verbindet das seit mehr als 60 Jahren geteilte Korea, seine Pflanzenwelt bildet eine Brücke, ist Ausdruck des gemeinsamen botanischen Erbes. Han Seok Hyun und Kim Seung Hwoe haben mit ihrem Künstlergarten eine dritte Natur geschaffen, in dem symbolisch die Macht der Natur über die schmerzhafte Gegenwart der politischen Teilung der koreanischen Halbinsel siegt.

Dank an die Förderer:

Korea Art Management Service
Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus der Republik Korea
Wiedervereinigungsministerium Republik Korea
Thüringer Staatskanzlei
Korea Foundation
Kunstmuseen Erfurt, Stadtverwaltung Erfurt
Erfurter Kunstverein

Online-Vortragsveranstaltung zur Publikation über den Künstlergarten „Das Dritte Land“

Vortragsveranstaltung

Am 9. Dezember 2021, um 10 Uhr fand als Videokonferenz (Zoom-Meeting), eine Vortragsveranstaltung begleitend zur Publikation „Das Dritte Land zwischen Poetik und Politik“ statt, organisiert von der Kunsthalle Erfurt und dem Erfurter Kunstverein mit freundlicher Unterstützung des Korea Art Management Service und des Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus der Republik Korea.

Referent:innen:

Prof. Dr. Jeong-hee Lee-Kalisch (Kunsthistorikerin, Ostasiatische Kunstgeschichte (a.D.), Freie Universität Berlin) zeigte ausgehend von dem Konzept der „True-View“-Landschaftsmalerei und der kosmologischen Idee von „Knochen und Adern“ in der koreanischen Gartenästhetik, wie der Künstlergarten „Das Dritte Land“ die koreanische Geografie und Kunstgeschichte ästhetisch neu interpretiert und mit Energie auflädt.

Dr. Jung-Hwa Kim (Landschaftshistorikerin, Postdoktorandin, Kunsthistorisches Institut in Florenz – Max-Planck-Institut) sprach über Bedeutungsverschiebung des transnationalen Pflanzentransfers zwischen Deutschland und Korea im 19. Jahrhundert und in der Gegenwart anhand ausgewählter Beispiele aus dem Botanische Garten und dem Ethnologischen Museum in Berlin sowie dem „Dritten Land“.

Prof. Dr. Michael Mussong (Diplom-Forstwirt, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) berichtete von seiner letzten Forschungsreise nach Nordkorea, seinen Eindrücken über das Verhältnis der Nordkoreaner:innen zur Natur und Ökologie.

Die Moderation der Veranstaltung übernahm die Kuratorin des Projektes Keumhwa Kim (Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin, Berlin).

Online Katalog

Konzept

Das Dritte Land

„Das Dritte Land“, der Künstlergarten von Han Seok Hyun und Kim Seung Hwoe, Preisträger des Einheitspreises der Bundeszentrale für Politische Bildung 2020, ist auf Initiative der Kunstmuseen Erfurt vom Berliner Kulturforum (Mai 2019- April 2022) auf den Erfurter Petersberg (Am Fuße der Martinsbastion der Zitadelle Petersberg) umgezogen. In diesem Garten wachsen seit dem April 2022 35 unterschiedlichen Arten von Wildpflanzen aus Nord- und Südkorea. Aus der Entfernung sieht der Garten wie eine Berglandschaft aus. Das Zusammenspiel des vom Boden aufsteigenden Wasserdampfs mit den aus Basalt geformten Bergen erinnert an die pittoresken Perspektiven der koreanischen Landschaftsmalerei aus der Joseon-Zeit.

Die beiden Künstler: Han Seok Hyun und Kim Seung Hwoe beziehen sich dabei explizit auf das Gemälde Inwang jesaekdo (1751). Die markanten Felsen des Inwang-Bergs, der Nebel und die Bäume, die in einfacher, aber mutiger Komposition geschaffen sind, erlauben einen Panoramablick auf den Berg der Stadt Seoul. Der Schwarz-Weiß-Kontrast der Tuschemalerei betont einen geschwungenen Waldweg und fängt den Moment kurz nach einem Regenschauer ein. Den Zauber dieser Malerei, die dem Betrachter das Gefühl gibt, in einer realen und surrealen Landschaft zu wandern, lassen die Künstler in ihrem Garten auferstehen: Weißblühende Wildblumen aus Süd- und Nordkorea, die aus schwarzen Basaltsteinen nachempfundene Berge des Baekdu-daegan und der vom Boden aufsteigende Wasserdampf sind die wichtigsten Elemente, aus deren Zusammenspiel Das Dritte Land entsteht.

Im Garten von Han Seok Hyun und Kim Seung Hwoe sollen Pflanzen, die entweder aus Nord- oder aus Südkorea kommen miteinander wachsen. Ihr Garten entwirft das Bild eines paradiesischen Koreas. Er ist im Sinne von Michel Foucault ein Ort der Heterotopie, an dem das Reale mit dem Nicht-Realen zusammenprallt, scheinbar unverrückbare Tatsachen und haltlose Utopien nebeneinander stehen. Sein Ausgangspunkt ist das Gebirge „Baekdu-daegan“, das sich über 1470 Kilometer über die koreanische Halbinsel erstreckt – vom Berg Baekdusan im Norden bis zum Berg Jirisan im Süden. „Baekdu-daegan“ gilt als Rückgrat Koreas, das Berge, Täler und Flüsse formt, die Flora und Fauna prägt und sogar die Kultur und Sprache Koreas beeinflusst.

 

Standort

Kulturforum-Berlin (2019-2022)

Der Künstlergarten, „Das Dritte Land“ von Seok Hyun Han und Seung Hwoe Kim wurde auf dem Matthäikirchplatz am Kulturforum an dem 23. Mai 2019 eröffnet und stand bis 15. April 2022 in dem dortigen Standort. Der Künstlergarten Das Dritte Land spiegelte im Jubiläumsjahr zum 30-jährigen Mauerfall als Ort für politische Betrachtungen die Geschichte Deutschlands und die Gegenwart Koreas wider. Die koreanischen Künstler Han Seok Hyun und Kim Seung Hwoe möchten mit dem Projekt das Vorhandensein von Grenzen und die Hoffnung auf ihre Überwindung ins öffentliche Bewusstsein zurückholen.

Das Kulturforum ist ein Ort, der die wechselvolle Geschichte des geteilten Berlins während des Kalten Krieges besonders facettenreich spiegelt. In unmittelbarer Nähe verlief die Mauer. Das Forum war als ein Gegenstück zur Museumsinsel in Ost-Berlin errichtet worden und sollte ein Symbol West-Berlins werden. Der Matthäikirchplatz, der vom Architekten Friedrich August Stüler als ein paradiesischer Vorgarten der St. Matthäus-Kirche angelegt worden war und in der Nachkriegszeit zu einem schmalen Rondell umgewandelt wurde, ist mit dem Dritten Land zu einer Bühne geworden, auf der die koreanischen Wildpflanzen im Rhythmus der Jahreszeiten ein Spiel aus Ankommen und Vergehen inszenieren.

Der Aufbau des Gartens auf dem Kulturforum wurde ermöglicht durch ein erfolgreiches Crowdfunding. Über 160 Unterstützerinnen und Unterstützer welteit haben innerhalb von dreißig Tagen mehr als 30.000 Euro für den Transport und die Pflege der Pflanzen sowie den Aufbau des Gartens gespendet.

Kooperationspartner: Stiftung St. Matthäus
Realisierung: Ingo Bauditz Garten- und Landschaftsbau GmbH
Beratung: FUGMANN JANOTTA PARTNER, Landschaftsarchitekten I Landschaftsplaner
Pflanzen: Aboretum Baekdudaegan (백두대간식물원), Südkorea
Technische Instandhaltung: Uwe Rommel
Assistenz: Caro Greifenstein, Hwisu Yoo
Presse: Corinna Wolfien, Dahee Seo
Visual Identity: Young Sam Kim
Dokumentation: Dahahm Choi, Christian Frey, Dongryoung Han, Dahee Seo
Gartenpflege: Beate Rhode, Clemens Wilhelm

Standort

Petersberg - Erfurt (seit 2022-)

Auf Initiative der Kunstmuseen Erfurt wurde Das Dritte Land vom Berliner Kulturforum auf den Erfurter Petersberg (Am Fuße der Martinsbastion der Zitadelle Petersberg) umgezogen, mit Blick auf den Innenstadtteil Brühl, die Oper Erfurt, auf den Dom und die Severikirche.  Am 3. Oktober 2022 wurde der Künstlergarten im Rahmen der offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit unter dem Motto „zusammenwachsen“ eröffnet. In diesem Garten wachsen seither 35 unterschiedlichen Arten von Wildpflanzen aus Nord- und Südkorea. Aus der Entfernung sieht der Garten wie eine Berglandschaft aus. Das Zusammenspiel des vom Boden aufsteigenden Wasserdampfs mit den aus Basalt geformten Bergen erinnert an die pittoresken Perspektiven der koreanischen Landschaftsmalerei aus der Joseon-Zeit.

„Das Dritte Land in Erfurt wird kein Gartenkunstwerk unter vielen in Erfurt sein. Es wird nicht nur zur Betrachtung einladen, sondern auch zur Benutzung. Dort sollen Meetings stattfinden, Filme gezeigt und Musik gespielt werden. Es wird ein lebendiger Ort des kulturellen und politischen Austauschs werden, auch der Erinnerung, nicht zuletzt der Faszination, die von einer solchen Landschaft „en miniature“ und den hier wachsenden Pflanzen im Wechsel der Jahreszeiten ausgeht“ (Zitat: Dr. Kai-Uwe Schierz, der Direktor des Kunstmuseums Erfurt aus dem Vorwort des Kataloges : Das Dritte Land zwischen Poetik und Politik)

Die Umsetzung des Künstlergartens nach Erfurt wurde durch die freundliche Unterstützung der Korea Foundation, Thüringer Staatskanzlei, Stadtverwaltung Erfurt (Garten- und Friedhofsamt, Kunstmuseen Erfurt) und des Erfurter Kunstvereins ermöglicht. Die Eröffnung des Künstlergartens in Erfurt wurde freundlich unterstützt durch das Wiedervereinigungsministerium Republik Korea.

Veranstalter: Kunsthalle Erfurt, Erfurter Kunstverein
Realisierung: Garten- und Friedhofsamt Erfurt
Assistenz: Yujin Lee
Pflanzenberatung: Byunlchorong Wildflower(별초롱야생화), Hongcheon, Südkorea
Gartenpflege & Dokumentation: Hye-Kyoung Choi, Garten- und Friedhofsamt Erfurt

Dank an die Förderer:
Korea Art Management Service
Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus der Republik Korea
Wiedervereinigungsministerium Republik Korea
Thüringer Staatskanzlei
Korea Foundation
Kunstmuseen Erfurt, Stadtverwaltung Erfurt
Erfurter Kunstverein

Dank an die Unterstützer:innen:
Garten- und Friedhofsamt, Stadtverwaltung Erfurt
Liilá Choi (Gartenpatin)

Pflanzen

Maple-leaf ainsliaea
단풍취

Korean mountain magnolia
함박꽃나무 (PRK. 목란)

Rock pine
바위솔

White-flower rock asphodel
꽃장포

Rocky dendranthema
바위구절초

Marsh grass-of-parnassus
물매화 (PRK.물매화풀)

Tall-helmet monk’shood
흰진범 (PRK. 흰진교)

Narcissus anemone
바람꽃

Big-flower clematis
큰꽃으아리

Sweet autumn clematis
참으아리

Asian liverleaf
노루귀 (PRK. 노루귀풀)

Silver meadow-rue
은꿩의다리 (PRK. 은가락풀)

Alpine broad-leaf allium
산마늘

Two-leaf beadruby
두루미꽃

Lesser solomon’s seal
둥굴레 (PRK. 둥글레)

Snowy false lily of the valley
풀솜대 (PRK. 솜대)

Odaesan iris
노랑무늬붓꽃

Gooseneck loosestrife
큰까치수염 (PRK. 큰꽃꼬리풀)

Korean arborvitae
눈측백 (누운측백나무)

Leatherleaf
진퍼리꽃나무

Larch-like stitchwort
너도개미자리 (PRK. 큰솔자리풀)

Rush sandwort
벼룩이울타리 (PRK. 긴잎모래별꽃)

Fragrant plantain lily
옥잠화

Gebera anandra
솜나물

Mountain everlasting
백두산떡쑥 (PRK. 노란괴쑥)

Creeping catchfly
오랑캐장구채 (PRK. 가지대나물)

Maple-leaf mukdenia
돌단풍

White woodland peony
백작약 (PRK. 흰함박꽃)

Aging chive
두메부추

Ligusticum officinale
천궁

Catchfly
장구채

Kamchatka goatsbeard
눈개승마 (PRK. 눈산승마)

Baical meadow-rue
바이칼꿩의다리 (PRK. 북가락풀)

Asian burnet
가는오이풀 (PRK. 흰가는오이풀)

Korean meadowsweet
터리풀

Siler
방풍

Korean pearl bush
가침박달

False spiraea
쉬땅나무

Programm

New Rituals of Healing / Summer Videoart Screening 
12 September 2021, 19:00
Das Dritte Land, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Neue Rituale der Heilung / Summer Videoart Screening 

Teilnehmende Künstler*innen: 
Nam June Paik (A Pas de Loup), Alisi Telengut, Isaac Chong Wai, Dew Kim, Marco Montiel-Soto, Markus Hanakam & Roswitha Schuller, Sara Sejin Chang (Sara van der Heide), Clemens Wilhelm & Jan Martinec

Das Videoart Screening „Neue Rituale der Heilung“ geht der Frage nach, wie Rituale als symbolische Handlungen und Inspirationsquellen in verschiedenen performativen Formaten kontextualisiert und in unterschiedlichen Kulturkreisen als Katalysatoren innerer Heilung praktiziert werden.

Am 20. Juli 1990 führte Nam June Paik, der Pionier der Videokunst, der bereits in den 1970er Jahren in seinen künstlerischen Praktiken Technik und Spiritualität miteinander verband, in Seoul die Performance „A Pas de Loup“ auf, die als koreanisch-schamanisches Ritual kut zu Ehren von Joseph Beuys konzipiert war. Sie erfüllte damit eine Verabredung zwischen den beiden Künstlern, die gemeinsam ein schamanisches Ritual durchführen wollten, was durch den Tod von Joseph Beuys nicht mehr möglich war. Vier Jahre nach Beuys‘ Tod erfüllte Paik sein Versprechen im Alleingang. Paik nahm eine Schüssel mit ungekochtem Reis und streute etwas davon über ein Foto von Beuys. Neben den typischen Elementen des Kut – einem Tisch mit Speisen als Opfergaben und einem Exorzismus – verwendete er ein kaputtes Klavier, eine Geige und 16 Fernsehgehäuse, um ein neues Kut zu schaffen, das die Seele von Joseph Beuys zurückbringen sollte.

Den zentralen Impuls der Aktion aufnehmend, entsteht im Rahmen des Projektes durch die Teilnahme von Berliner sowie internationale Künstler*innen wie Isaac Chung Wai, Alisi Telengut, Sara Sejin Chang, Horny Honey Dew, Markus Hanakam & Roswitha Schuller, Clemens Wilhelm & Jan Martinec, Marco Montiel-Soto nicht nur ein posthumer internationaler Dialog zwischen Beuys und dem Beuys-Schüler Nam June Paik, sondern auch ein Dialog zwischen den beiden Künstlern und der jungen
Generation von Künstler*innen, die in Ritualen und Schamanismus eine kritische Projektionsfläche finden für die Themen wie Umwelt, Postkolonialismus, Gesellschaft und Identität.

Wir nach 1989: Summer Videort Screening

05 September 2020, 20:00
Das Dritte Land, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Summer Videort Screening
Wir nach 1989

Teilnehmenden Künstler*innen:
Clemens Wilhelm, Mischa Leinkauf, Im Heung Soon, Choi Sung Rok, Henrike Naumann, Jeewi Lee, Anne Dukhee Jordan, Jeong Ka Hee, Kim Lyang, Young Ho Lee

Seit dem Ende des Kalten Krieges sind die Grenzen nie so aktuell erschienen wie sie in der Zeit der Corona-Pandemie wahrgenommen werden. Seither sind wir konfrontiert mit einem dystopischen Zukunftsentwurf, der eine nicht nur politische, sondern auch gesellschaftliche und soziale Grenzziehungen potenziert. Im Rahmen von Netzwerktreffen („Wir nach 1989“), die seit Dezember 2019 stattfinden, haben sich deutsche und koreanische Künstler*innen mit Historiker*innen und Kuratoren*innen mit Grenzen als Erfahrungsräumen auseinandergesetzt. Als Zwischenstand dieses interdisziplinären Austauschs möchten wir ein zweitägiges Screening veranstalten, in dem Künstler*innen aus Deutschland und Korea ihre Videokunst zeigen, die sich mit sichtbaren und unsichtbaren Grenzen sowie Grenzziehungen unter sozialen, biologischen und politischen Aspekten beschäftigt.

Dafür dient der Künstlergarten „Das Dritte Land“ als offene Plattform für künstlerische Auseinandersetzungen mit den realen und den imaginären Räumen zwischen Natur und Grenze. In der Arbeit der beiden koreanischen Künstler Seok Hyun Han und Seung Hwoe Kim wachsen seit Mai 2019 mitten auf dem Kulturforum Pflanzen aus Nord- und Südkorea zusammen. Mit der Frage, wie die künstlerische Reflexion über die Natur in Grenzräumen das gesellschaftliche Bewusstsein beeinflussen kann, hat „Das Dritte Land“ seit 2019 eine Reihe von Performances veranstaltet. Als wachsende, prozessuale Kunst im öffentlichen Stadtraum hat sich der Garten zur Bühne entwickelt, auf der sich die eingeladenen Künstler*innen mit den Themen Grenze/Abwehr, Natur/Umwelt, Utopie/Dystopie performativ auseinandersetzen. Die Besucher*innen des Gartens sind zur Interaktion und Partizipation eingeladen.

Das Projekt wurde in Kooperation mit SEMA: Seoul Museum of Art und durch freundliche Untertstützung von Charlotte und Hans Krull Stiftung, Stiftung St. Matthäus und Mobile Kino Berlin realisiert.

ATSUSHI FUKUNAGA / DUET IN NO – MAN`S – LAND

13 September 2019, 00:00
Das Dritte Land, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

#4 ATSUSHI FUKUNAGA

Zwei Tage lang präsentiert der japanische Künstler Atsushi Fukunaga eine Klanginstallation im Rahmen von „The Nature of Action“ auf dem Künstlergarten, Das Dritte Land. Die Installation besteht aus einer Vielzahl von onomatopoetischen (lautmalerischen) Wörtern, die Naturgeräusche imitieren. Für den Garten sammelte Fukunaga spezielle Geräusche von Insekten und Vögeln, die in Korea und Japan gemeinsam leben und ließ sie von Koreanern und Japanern aus Berlin lautmalerisch imitieren. Obwohl es sich um den gleichen Vogel handelt, sind die Lautmalereien in beiden Ländern unterschiedlich, da Kultur und Sprache die Wahrnehmung des Gehörten beeinflussen. Fukunaga thematisiert die unsichtbare Grenze zwischen Japan und Korea, die sich angesichts des Handelsstreits zwischen den beiden Ländern zu verschärfen scheint. Der Künstler konstruiert eine Klanglandschaft, in der japanische und koreanische Naturklänge im Garten des Künstlers zusammenspielen. Dabei träumt er von einer Utopie, in der sich die politischen und sozialen Grenzen zwischen den beiden Ländern in einem dritten Land auflösen.

Atsushi Fukunaga (*1980 in Hiroshima, lebt und arbeitet in Berlin) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Lautmalerei (Onomatopoesie) in verschiedenen Kulturen und mit der Anthropologie der Sprache. Dabei interessiert er sich für die Vielfalt sprachlicher Nachahmungen außersprachlicher Klangereignisse, die Menschen in ihren verschiedenen Sprachen produzieren.Das deutsche Wort onomatopoe hat seine Wurzeln im Altgriechischen Wort ὀνοματοποιίαund bedeutet „Wortschöpfung“. Atsushi Fukunaga lädt Menschen aus verschiedenen Ländern ein, die „Klänge“ der Stadt und der Natur in ihrer Sprache nachzubilden. Aus diesen Klängen kreiert er seine eigene Lautmalerei, die er in Klanginstallationen meist im Freien inszeniert. Seit 2015 hat er auch eine Reihe von Sprachinstallationen geschaffen, die sich mit dem alltäglichen Leben der Menschen auseinandersetzen, indem er Worte zitiert und daraus neue Texte komponiert.

Byung Chul Kim / Frühlingsputz

06 September 2019, 09:00
Botschaft der Republik Korea - Botschaft der Demokratischen Volksrepublik korea - Das Dritte Land, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

#3 Byung Chul Kim
In seiner Performance „Frühlingsputz“ wird Byung Chul Kim den Weg von der südkoreanischen zur nordkoreanischen Botschaft im Stil einer buddhistischen Pilgerreise “오체투지(五體投地)“ zurücklegen. Buddhistische Mönche pilgern, indem sie sich Schritt für Schritt verbeugen; durch diese körperlich sehr anstrengende Art der Fortbewegung versuchen sie spirituelle Ziele zu erreichen und zeigen sich in einem Zustand äußerster Demut. Für den ca. 3 km langen Weg benötigt der Künstler ca. 3000 Verbeugungen. Dieser mühsame Weg soll den schwierigen Prozess der Wiedervereinigung symbolisieren.

Byung Chul Kim (*1974 in Seoul, lebt und arbeitet in Essen) ist ein südkoreanischer Künstler, der seit 2004 in Deutschland arbeitet. Bekannt wurde er durch seine einjährige Arbeit „Hotel-Performance“ in Stuttgart und seine „Humor-Restaurants“, die er seit 2014 in Deutschland, der Schweiz und den USA durchführt. Themen wie Humor, Glück, Heimat, Essen werden durch seine partizipativen Aktionen, die er mal streng, mal humorvoll inszeniert, existentiell transformiert. Seine Storyboards, Zeichnungen und Videos waren unter anderem im Kunstverein Zürich, bei Wiensowski & Harbordin Berlin und im Richmond Art Center in Richmond (USA) zu sehen.

FRANCESCO CAVALIERE / Imitatori del Tempo

27 August 2019, 19:00
Das Dritte Land, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

#2 FRANCESCO CAVALIERE

Imitatori del Tempo (il tempo sussurrato)

Der italienische Komponist und Sound-Künstler zeigt eine Klang-Performance mit Klavier und mitdrei vom Künstler selbst angefertigten Hörnern aus Glas. Sein Sound basiert auf Aufnahmen vonWetterimitationen aus seinem Projekt, “The Weather Imitators, Il Coro delle Intemperie”, das er seit zwei Jahren in verschiedenen Ländern verfolgt. Dafür kreiert Francesco Cavaliere an den Orten, an denen er sich befindet, basierend auf meteorologischen Daten eigene graphische Notationen, die er dann durch Chorgruppen vertonen und aufnehmen lässt: Ein Singen und Flüstern, Pusten und Pfeifen imitiert die endemische Wetterlage des jeweiligen Ortes. Mit seinem Projekt will der Künstler eine Anthropologie spezifischer Wetterklänge schaffen.

Francesco Cavaliere (*1980 in Piombino, Italien) setzt sich bei seinen Arbeiten auseinander, Klänge, Materialien und Raum miteinander zu verbinden. Begleitet vom Phänomene die durch Glas, Mineralien und Erzählungen hervorgerufen werden, fängt seine Arbeiten den flüchtigenMoment ein und lädt die Zuhörer in eine imaginative Landschaft ein. Er lebt und arbeitet in Siena und Berlin.

David Sherry / Nature of Action

27 April 2019, 18:00
Das Dritte Land, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

#1 DAVID SHERRY
Aufgewachsen im Grenzgebiet zwischen Nordirland und der Republik Irland war für David Sherryund seine Familie die Grenze allgegenwärtig. Angesichts des Brexits und der Gefahr einer neuen harten Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland stellt David Sherry auf dem „Dritten Land“ eine Performance zu seinen Grenzerfahrungen vor. Sie besteht aus Stand-Up-Comedy,Ideen, Aktionen und Erzählungen.

Die Arbeiten von David Sherry (geboren 1974, in Nordirland, lebt und arbeitet in Glasgow)umfassen Zeichnungen, Performances, Videos, Malerei, Photographie und Sound Installationen.Er interessiert sich für die großen und kleinen Erzählungen aus seinem Alltag: wie Glück, Arbeit,Respekt. Sie verarbeitet er zu Live-Performances, die seit zwanzig Jahren ein zentraler Bestandteil seiner künstlerischen Praxis sind.

Impressum

Das Dritte Land

Künstlergarten, Basalt, Erde, Pflanzen aus Baekdudaegan(Korea), Wasserdampf, Kunst im öffentlichen Raum (2019-)
Künstler: Han Seok Hyun, Kim Seung Hwoe
Kuratorin: Keumhwa Kim
Standort: Am Fuße der Martinsbastion der Zitadelle Petersberg, Lauentor, Erfurt (seit 2022)
Matthäikirchplatz, Berlin – Kulturforum (2019 – 2022)
Fotos: Clemens Wilhelm, Dahahm Choi, Christian Frey, Dongyoung Han, Dahee Seo
Visual Identity: Young Sam Kim
Homepage: Supercomputer Studio

Die Realisierung des Künstlergartens, „Das Dritte Land“ in Berlin wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von
Arts Council of Korea, Koreanisches Kulturzentrum, Hans und Charlotte Krull Stiftung, Baekdudaegan National Aboretum sowie 150 Unterstützer*innen vom Crowdfunding, Wemakeit!

Der Umzug und die Installation des Künstlergartens, „Das Dritte Land“ in Erfurt wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von Korea Art Management Service, Wiedervereinigungsministerium Republik Korea, Thüringer Staatskanzlei, Korea Foundation, Kunstmuseen Erfurt, Stadtverwaltung Erfurt sowie Erfurter Kunstverein

Angaben gemäß § 5 TMG
Keumhwa Kim
Keum Art Projects 
C/O Santa Rita Kulturbüro
Adalbertstr. 4., 1. OG
10999 Berlin

Vertreten durch:
Keumhwa Kim
Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß §27a Umsatzsteuergesetz: DE294018822

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Keumhwa Kim, Kunstverein Erfurt, Kunstmuseum Erfurt

Alle Texte ©Keumhwa Kim
Alle Bilder ©Artists, Keum Art Projects
Fotos: Clemens Wilhelm, Dahahm Choi, Christian Frey, Dongyoung Han, Dahee Seo